Druckgrafik

Faszination alte Drucktechnik

Über Druckplatten, Salpetersäure und schwarze Hände 🙂

Willkommen in meinem Atelier ! Sagte ich Atelier ? Schön wärs! Meine Hobbys betreibe ich auf kleinstem Raum in einem Keller und auch sonst…Meine Druckpresse ist eigentliche eine Mange, welche ich für meine Radierungen zweckentfremdet habe  Wie heisst es doch : Not macht erfinderisch.

Eine antike Mange, zur Not auch als als Radier-Presse verwendbar…:-)

Alt, schwer und nostalgisch schön…ich hab eine Schwäche für antike Geräte und Apparaturen. Schauen Sie sich mal die mächtige Handkurbel an : fast wie das Flywheel einer Dampfmaschine…..

Zugegeben: es gibt elegantere Methoden, der künstlerischen Druckgrafik zu frönen…(wie war das gleich nochmal mit dem Teufel und den Fliegen ?)

Die schwarze Kunst

Die schwarze Kunst, so nannte   man die frühen Druckverfahren , als die „Druckfarbe“ noch aus einer Mischung von  gekochtem Leinöl und Russ bestand. Die Erfindung des Buch(Letter)drucks durch Gutenberg  um 1440 ermöglichte in der Folge die  schnelle Verbreitung  von gedruckten Erzeugnissen wie Bibeln, Ablassbriefen , usw.

Kunstdrucke, die eigentliche kommerzielle Verbreitung von künstlerischen Abbildungen wurde durch Albrecht Dürer forciert. Er war nicht „nur“ ein begnadeter Künstler, sondern auch ein smarter Geschäftsmann, sehr interessiert daran Kunst für die Massen zu produzieren. Druckgrafik als erschwingliche Alternative zum Ölgemälde (welche der  gutbetuchten Oberschicht vorbehalten war)In den folgenden Jahrhunderten wurden verschiedenste künstlerische Tiefdruck—Verfahren  entwickelt (und kombiniert).

Holzschnitt „Rhinoceros“, eines der berühmteren Werke Albrecht Dürers

Druck ist nicht gleich Druck

Wer auf kreative und künstlerische Weise seine Arbeit vervielfältigen will , dem stehen verschiedene Möglichkeiten offen. Die wohl zwei der populärsten möchte ich hier kurz vorstellen. (Mit vervielfältigen meine ich den Druck von Kleinauflagen.)

Hochdruck , der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist vielleicht der Linolschnitt. Aber auch ab Holzplatten und neuerdings ab schnitz- und bearbeitbaren weichen Kunststoffplatten wird gedruckt. Sichtbar bleibt was auf der Platte verbleibt (nicht weggeschnitten wird) und meistens mittels einer Walze eingefärbt wird. es wird generell weniger Druck benötigt als beim Tiefdruckverfahren. Beim Anblick von Dürers „Rhinoceros“ frage ich mich jedes Mal, wie solch feine Schnitte und Details herausgearbeitet wurden. Vor 500 Jahren gabs noch keinen lasergeschärften Spezialstahl….absolut beeindruckend !

Linolschnitt „Shaq“ , Xherdan Shaqiri bei seinem legendären Fallrückzieher , Auflage 10 Ex

Tiefdruck heisst die Technik, welche für Radierungen angewendet wird. Die Druckfarbe wird hierbei aus vertieften Stellen der Druckplatte “gerissen”. Diese Vertiefungen (=die eigentliche Zeichnung) werden durch Kratzen, Schaben oder Ätzen der Metallplatte beigefügt. Es ist möglich, auch Halbtöne ähnlich einer Fotografie sichtbar zu machen. In diesem Blogbeitrag beschreibe ich meine Arbeitsweise Step-by-Step.

„Steinpilz“, Kaltnadelradierung, handkoloriert Auflage 4 Ex.

Bei der obigen Abbildung handelt es sich um eine sogenannte Kaltnadelradierung . „Kalt“ deshalb, weil keine ätzenden Substanzen benötigt werden. Die Umrisse der Zeichnung werden mit einer Nadel in die Matrize geritzt und/oder gekratzt. (in diesem Fall besteht die „Druckplatte“ aus einem flachen Teil eines Plastikkanisters…) . Anschliessend wird Ölfarbe in die Vertiefungen eingearbeitet; gedruckt wird auf feuchtes, schweres Papier. Koloriert wurde hier von Hand (Pastellkreide und Wattebausch). Anschliessend wird Fixierspray aufgesprüht, um die Farben dauerhaft zu schützen.

Plastik-Druckplatten für eine kleine Serie „Pilze“ . Von diesen recycelten Kunststoffresten lassen sich nur kleine Auflagen drucken. Die Zeichnung (= Vertiefte Stellen) werden bei jedem Druckdurchgang stark beansprucht und die Qualität des Druckes nimmt rasant ab…)

Kaltnadelradierungen sind bedeutend einfacher zu erstellen und belasten die Atemwege nicht (oder fast nicht) ; Ätz- und Abdeckarbeiten an Metallplatten (und deren Reinigung mit Lösungsmitteln…) sollten nach Möglichkeit im Freien gemacht werden. Geätzt wird üblicherweise mit Salpetersäure oder Eisen3-Chlorid u.a. Abgedeckt wird mit flüssigem Asphalt . Diese Materialien sind nicht wirklich unbedenklich; mittlerweile gibt es offenbar auch Öko-freundlichere Methoden und Materialien….

Vorbereitung einer Aluminiumplatte : mit flüssigem Asphalt werden Stellen abgedeckt, um sie partiell vor der Säure zu schützen.

Die hobbymässige Herstellung einer Radierung  in kleiner Auflage , sei es als Kaltnadel oder Ätzradierung ist spannend und herausfordernd zugleich.   Die Kaltnadelradierung  ist noch relativ einfach zu bewerkstelligen .  Ätzradierungen sind da schon bedeutend anspruchsvoller, und bieten viel (sehr viel…:-) Raum für „Trial and Error“.

Einige Sekunden zu lange im Säurebad können reichen, um die Arbeit von Stunden zu zerstören….Aber schliesslich ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen !

Die Faszination, ein Bild zu drucken und von der Skizze auf der Matrize bis zum (hoffentlich gelungenen) Druck entstehen zu lassen….die Genugtuung des Machens…”der Weg ist das Ziel” !

Ich hoffe, Sie konnten sich ein Bild vom Hobby Druckgrafik verschaffen, und wer weiss, vielleicht lassen sie sich inspirieren, selber mal was zu drucken. Das geht auch ohne Radierpresse. Auf Youtube finden sich zahlreiche Kanäle zum Thema. Viel Spass !